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Schneizl­reuth

Filialkirche "Maria Hilf" Schneizlreuth

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Im 13. Jahrhundert wurde der Ort an der Straße von Reichenhall nach Lofer am Fuß des Ristfeuchthorns Snaezenreuth, im 18. Jahrhundert Schnatzenreith, im 19. Jhd. Schneuzlreuth genannt.
Das Kloster Höglwörth besaß hier Grundbesitz.

1755 erreichte der Wirt von Schneizlreuth, Johann Gumpinger, durch zähe Verhandlungen die Erlaubnis des Salzburger Konsortiums für den Bau bzw. die Erweiterung einer schon bestehenden Kapelle und für die angestrebte Meßlizenz.
Bei der Kapelle bestand eine Eremitage, die ab 1776 von dem Traunsteiner Josef Arnold, Mitglied des III. Ordens, als Einsiedler bezogen wurde.

Das Konsortium legte ihm als Verpflichtung auch den Elementarunterricht für die Kinder der Gegend auf.

Nachdem durch die Säkularisation alle Einsiedeleien in Bayern aufgehoben worden waren, verwandelte man die bestehende Klause in ein bescheidenes Gemeindehaus, das mit der Kapelle von 1755 in baulichem Zusammenhang stand.
1850 wurden Verhandlungen über eine notwendige Erweiterung der Kapelle geführt, die trotz des Einspruchs des Pfarrers von St. Nikolaus zum Erfolg führten, so dass im Herbst 1851 die Filialkirche Schneizlreuth, bzw. die Schulkapelle benediziert werden konnte.

1854 setzte man in der Kapelle einen Kreuzweg ein. Das Kreuz in der Kriegergedächtniskapelle und die dazugehörige schmerzhafte Mutter Gottes – aus der ersten Kirche – gehörten ebenso zur Einrichtung wie das Marienbild im Vorbau der heutigen neuen Kirche. 1869 wurde das Gemeindehaus, die ehemalige Eremitage mit der Kapelle zusammengebaut, erweitert und aufgestockt.

Durch die unermüdlichen Bemühungen des gebürtigen Reichenhallers und damaligen Kaplans von St. Nikolaus, Martin Heitzmann, kam es in den Jahren 1946-49 zur Planung und zum Bau der jetzigen Kirche Schneizlreuth (Grundsteinlegung 23.5.1948; Weihe am 9.10.1949 durch Weihbischof Anton Scharnagl; Architekt Georg Adlmüller, München).

Der Neubau wurde vom bisherigen Baukomplex nach Süden abgerückt, die alte Kapelle zu einem Wohnhaus umgebaut, das frühere Gemeindehaus in der ehemaligen Eremitage nach einem Neubau ebenfalls für Wohnzwecke genutzt. Der Kirchenneubau wurde während der Währungsreform unter größten finanziellen Schwierigkeiten durchgeführt. Die aufgesetzte Zwiebel soll in ihrer Form an eine brennende Kerze erinnern und hat ihr Vorbild im Rathausturm von Tüßling. Für den Baukörper war es die Kirche in Mauthausen bei Piding.

Im östlichen Vorbau befindet sich das alte Altarbild (Mitte 19. Jhd.), Maria mit dem Jesuskind auf einem Thron, links die Abbildung der alten Kirche mit dem Gemeindehaus von 1851.

Die Kirche ist geprägt vom Stil der liturgischen Erneuerung nach dem II. Vatikanischen Konzil und der Renovierung von 1973/74. Im eingezogenen fast quadratischen Chorraum der Volksaltar, darüber ein Hängekreuz in Bronze, eine Verbindung des gekreuzigten und auferstandenen Herrn (Bildhauer Karl Richter, Berchtesgaden). Vor dem Presbyterium an der linken Chorwand der Tabernakel (ebenfalls Karl Richter). An der rechten Seite der Torso einer schmerzhaften Mutter Gottes mit Schwert, Krone, Sternenkranz und überkreuzten Händen (18. Jhd; früher als Gnadenbild auf dem Hochaltar). Vorne links ein hl. Josef mit Kind, eine hervorragende Plastik des 18. Jhd. (aus Privatbesitz erworben). Außerdem unter der Orgelempore ein hl. Antonius mit dem Jesuskind und der hl. Nepomuk als Wasserpatron gegen die Hochwassergefahren der Saalach mit Kreuz und Märtyrerpalme.

Im Süden der Kirche schließen sich der Friedhof und die Kriegergedächtniskapelle an. Erbaut nach dem Ersten Weltkrieg, hängt in ihr ein bemerkenswertes barockes Kreuz, wahrscheinlich aus der Ursprungskapelle.

Die Bedeutung von Schneizlreuth liegt in seiner Gesamtanlage und deren Einbettung in die umgebende malerische Gebirgslandschaft. Der Turm ist in seiner Form in dieser Gegend einmalig und originell.

Dr. Walter Brugger