Responsive image
St. Zeno
Responsive image
St. Nikolaus
Responsive image
Bayerisch Gmain
Responsive image
Marzoll
Responsive image
Schneizl­reuth

„Mit dem Auferstandenen hinaus in die Welt“

„Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Er geht euch voraus nach Galiläa.“, sagt ein junger Mann im weißen Gewand im geöffneten Grab Jesu vor zwei tausend Jahren zu den Frauen, die den Gekreuzigten salben wollten. Die Worte des Evangelisten Markus hörten am Ostersonntag Christen in aller Welt, die trotz der Corona-Beschränkungen zusammenkommen durften, um ihren Glauben zu feiern, weil wir im letzten Jahr wohl auch erkannt haben, dass Religions- und Versammlungsfreiheit hohe Güter unseres Menschseins sind.

„Er ist nicht hier.“, zitierte Markus Moderegger, der Reichenhaller Stadtpfarrer in seinen Osterpredigten. „Er ist nicht hier, in diesem Gebäude wie unsere Kirche. Er geht euch voraus nach Galiläa heißt es im Evangelium. Galiläa stand zur Zeit Jesu für einen Ort, an dem echtes Leben stattgefunden hat. An dem es Menschen gab, die gut und schlecht miteinander umgingen, die zweifelten und nicht glaubten. Ostern ist ein Fest für alle, die zweifeln und nicht glauben können. Die Auferstehung gibt uns Hoffnung, dass Gott uns neues Leben erschaffen hat; wir werden Jesus nicht im Kirchenbau finden. Christsein heißt: Geht hinaus in den Alltag, ins Leben. Dort werdet ihr in der Begegnung mit anderen Menschen, besonders mit den Armen und Ausgestoßenen, den Leidenden und Kranken, den Zweifelnden und Suchenden Jesus, den Auferstandenen finden.“ Dass die vier Seelsorger der Stadt sich einig sind, wie sie die Osterbotschaft im zweiten Jahr der Corona-Pandemie verkünden, zeigten die Homilien von Pfarrvikar Pater Terencjan, der sich mit Stadtpfarrer Moderegger die Eucharistiefeiern aufgeteilt hatte, als auch die Worte von Gemeindereferentin Gabi Angerer, die den Gottesdiensten in der Filiale Schneizlreuth liturgisch vorstand und die flotten Kurzpredigten für Kinder, Familien und Jugendliche, die Pastoralassistentin Constanze Bär im Freien beim Familiengottesdienst in Bayerisch Gmain oder beim abendlichen Jugendgottesdienst am Kirchplatz von St. Nikolaus hielt. Auch hier war der Tenor und die Botschaft klar: „Christsein heißt: Hinaus in die Welt, die Botschaft Jesu Christi, der für uns gestorben und auferstanden ist, zu den Menschen bringen. Gerade in dieser Zeit, in der so viele Menschen keine Perspektive sehen. Mut haben, anderen mit dem eigenen Glauben an die Auferstehung und Gottvertrauen Hoffnung schenken.“

Trotz oder vielleicht wegen der ungewollt guten Publicity in den politischen Diskussionen um die Frage von Präsenzgottesdiensten, der Sehnsucht nach Gemeinschaft und anderen Menschen und weil für viele Menschen hier in der Region ihr Glaube eine tragende Säule des Lebens ist, erfreuten sich die 22 Gottesdienste, die von Gründonnerstag bis Ostermontag, auf dem Gebiet der Kath. Stadtkirche Bad Reichenhall gefeiert wurden, eines sehr hohen Zuspruchs.

Ohne Fußwaschung oder Kommunion unter beiderlei Gestalt fehlten im Gründonnerstagsgottesdienst am Abend im Münster St. Zeno einige Elemente, die die Liturgie an diesem Tag besonders machen. Dennoch entstand eine feierlich-nachdenkliche Stimmung, die durch die große Zahl Ministranten und Zelebranten, das Vokalquartett der Kath. Stadtkirche und die bläuliche Beleuchtung des Altarraums durch Sebastian Bürger hervorgerufen wurde. Sie untermalten die Worte des Stadtpfarrers, der in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Freunden seine Hörerschaft ermutigte, einmal darüber nachzudenken, was denn jeder einzelne tun würde, wenn er nur noch einen Tag zu leben hätte.

Die Karfreitagsliturgien standen in allen Pfarreien unter dem Zeichen des stillen Gedenkens, der Trauer um den Tod Jesu und unserer eigenen Wunden, Verletzungen und Abgründe. In den beiden großen Kirchen wurde die Passionsgeschichte mit verteilten Rollen vorgelesen, in den großen Fürbitten unsere Nöte und Sorgen als Menschen Gott vorgetragen und das Kreuz in Stille verehrt.

Karsamstag, den Tag der Grabesruhe prägten eine kurze Trauer-Mette und vor allem die Möglichkeiten zum persönlichen Gebet an den von den Mesnern liebevoll gestalteten Heiligen Gräbern in St. Valentin, St. Zeno, St. Nikolaus und St. Nikolaus von der Flüe.

Stimmungsvoll und festlich startete der Reigen der Osternächte und das Fest der Auferstehung mit den Gottesdiensten in Bayerisch Gmain, St. Zeno und draußen in Schneizlreuth am Vorabend. Überall war unter Einhaltung der Abstandsregeln volles Haus, eine große Zahl Ministranten, denen man die Freude an ihrem Dienst, nach einem Jahr ohne Osterliturgie, ansah, sowie die festliche Musik, die die Kirchenmusiker unterstützt von Familienensembles aus ihren Instrumenten hervorzauberten, schaffte trotz allen Regeln und Beschränkungen, echte Osterstimmung. Als in die dunklen Kirchen das Licht der Osterkerze getragen wurde, wurde es so nach und nach nicht nur in der Kirche heller, sondern auch in den Herzen der Menschen. Hell wurde es auch in den beiden Osternächten in Marzoll und St. Nikolaus am frühen Morgen, in denen auch der liturgische Dienst zahlreich aufmarschierte, das Osterlob von zwei Ehrenamtlichen verkündet wurde und endlich wieder die Orgel erklingen durfte. Das Spiel von Feuer und Licht, Musik und Ensemble-Gesang, das die Botschaft der Auferstehung untermalte, erfüllte viele Menschen, die bestärkt und wieder einmal mit positivem Blick auf die Welt nach Hause gingen.

In den Ostergottesdiensten des Vormittags ging es unterschiedlich hoch her. Während in St. Zeno ein klassischer Festgottesdienst in der Kirche stattfand, feierte man in St. Nikolaus wie an Weihnachten auf dem Kirchplatz. Die österliche Musik unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Reinhard Seidl kam von der Kirchenempore zum Ordinarium der „Missa brevis in D“ von Mozart durch das sechsköpfiges Vokalensemble St. Nikolaus und die Familienmusik Heinrich aus Wals mit Geigen, Cello und Orgel und tat gut für die Seele, wie die Gottesdienstbesuchers dieses festlich-würdigen Gottesdienstes feststellten. Währenddessen feierten viele Familien im Kurpark von Bayerisch Gmain zusammen mit ihrer Kinderseelsorgerin Constanze Bär, ein fröhliches Gottesdienstfest; mit frohen Worten, guter Laune machender Kindermusik, zu der man tanzte und sich bewegte und einem von Kindern gesprochenen Segensgebet. Die junge Seelsorgerin hatte ein besonders Geschenk für die Kinder dabei: Jedes Kind bekam eine Überraschungs-Tüte zu Beginn des Gottesdienstes. Im Lauf des Gottesdienstes bastelten die Familien erst eine Raupe, die dann zum Schmetterling wurde. Constanze Bär verglich das Wunder der Auferstehung mit der Verwandlung der Raupe zum Schmetterling und enthüllte dazu einen farbenfrohen Schmetterling aus bunten Tüchern.

In den Gottesdiensten des Sonntags wurden die mitgebrachten Speisen gesegnet, damit wir uns auch in unseren Häusern an unsere Gemeinschaft mit Jesu erinnern. An allen heiligen Tagen war auch für die Kleinen, Jugendlichen und Familien einiges geboten: Pastoralassistentin Constanze Bär feierte an jedem der vier Tage eine kurze Andacht im Freien zum jeweiligen Thema des Tages: Beim Abendmahl im Pfarrgarten von St. Zeno, bei der Kinder-Karfreitagsliturgie am Kirchplatz von St. Nikolaus und bei der kurzen Andacht zur Grabesruhe am Friedhof von Marzoll durften die Kinder sich stets aktiv beteiligen, Texte lesen, kindgerecht in die Liturgie schnuppern und coronakonform beim Bodenbilder legen helfen.

Dass wir als Christen nicht nur wegen den bestehenden Beschränkungen kreativer leben müssen, sondern auch um trotz der vielen negativen Schlagzeilen, die wir leider als Kirche in den letzten Wochen gemacht haben, attraktiv zu bleiben und unsere Botschaft, die gerade in dieser hoffnungslosen Zeit der Pandemie so viel Perspektiven schenken könnte, sind die Seelsorger und Ehrenamtlichen der Stadtkirche überzeugt. Deshalb war es schön zu sehen, dass bei dem riesigen Angebot wohl für jeden etwas dabei war: Draußen- und Drinnengottesdienste, klassische Liturgie oder alternativ und in moderner Sprache, festlich-musikalisch durch kleine Ensembles und Instrumente oder rockig-poppig mit Musik aus der Dose, für die Kleinen und Großen, zu fast jeder Tages- und Nachtzeit…doch immer mit der gleichen Botschaft:

„Geht hinaus in die Welt, zusammen mit dem Auferstandenen.“

Constanze Bär


Osternacht in St. Nikolaus

 

Osternacht in Bayerisch Gmain

 

Osternacht in Schneizlreuth


Osternacht in Marzoll


Osternacht in St. Zeno

 

Festgottesdienst St. Nikolaus

 

Familiengottesdienst in Bayerisch Gmain